Michael Suhr

Krimis & Thriller

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Blutspur am Vesuv

Eine furchtbare Mordserie setzt eine Sonderkommission monatelang unter Druck. Erschöpft tritt der ermittelnde Beamte einen Urlaub an und reist nach Italien. In einer kleinen Pension hofft er, neue Kraft zu schöpfen. Er lernt eine junge Frau kennen und verliebt sich. Nach einer Liebesnacht am Strand ist seine Freundin plötzlich verschwunden und auf seiner Kamera finden sich grauenhafte Fotos. Verfolgt ihn der Serienkiller, um ihn endgültig fertigzumachen?

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    Michael Suhr

Vita

Ich bin ein in den 60er Jahren geborener Softwareentwickler aus dem Kölner Raum. Ursprünglich schrieb ich lediglich Fachliteratur und gelegentlich kafkaeske Kurzprosa. Meine Liebe gilt Kriminalromanen und makabren Kurzgeschichten.

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Leseprobe

Nenne mich, wie du möchtest. Mein Name tut nichts zu der Geschichte. Auch der Name der Frau, die ich in Italien kennenlernte, ist ohne Belang. Ich war dort in Urlaub, wollte alle Sorgen einfach einmal hinter mir lassen. Die Ermittlungen, die ich in meiner Heimat leitete, steckten fest. So fest, dass ich den Vorwürfen meiner Vorgesetzten nur noch mit Schulterzucken begegnen konnte. Sicher hätte ich längst andere Fälle bearbeiten können, wenn sich auch nur einer aus der Behörde bereit erklärt hätte, meinen Job in diesem speziellen Fall zu übernehmen.

Grund für meinen Urlaub und meine Erschöpfung war eine Mordserie, die nicht enden wollte. Zahllose Verdächtige hatten wir schon vernommen, Unmengen an Akten füllten die eigens angemieteten Räume. Und jeden Morgen das gleiche Spiel. Eine Besprechung, um alle Teammitglieder auf den aktuellen Stand zu bringen. Dann sagte jeder, was ihm spontan in den Kopf kam. Im Anschluss entschied ich, wie der Tag gestaltet wurde und wer welche Tätigkeiten übernehmen musste. Das taten wir nun schon seit Monaten, ohne eine einzige heiße Spur zu haben.
   Natürlich waren da Verdächtige, die wir befragt hatten. Aber jeder hatte am Ende ein plausibles Alibi oder kam aus anderen Gründen nicht infrage. Schlimm waren die Trittbrettfahrer, die sich selbst beschuldigten. Fast die Hälfte der ohnehin knappen Zeit verbrachten wir damit, Spuren nachzugehen, die von solchen Menschen gelegt waren. Warum ein Mann oder eine Frau sich gern in der Rolle eines bekannten Mörders sehen wollte, ich weiß es nicht. Es muss an dem Drang nach Anerkennung liegen. Manche Menschen wollen beachtet und wertgeschätzt werden und dieses Bedürfnis ist bei ihnen so stark, dass sie, nur der Beachtung wegen, das Risiko einer langen Haftstrafe in Kauf nahmen.
   Bei einem dieser Trittbrettfahrer war ich mir anfangs sogar sicher, dass er der bestialische Mörder war. Haarklein beschrieb er, wie er die jungen Frauen folterte und missbrauchte. Dann, nach etlichen Samenergüssen seinerseits, metzelte er sie kaltblütig. Alles schien zu stimmen, wir hatten ein Geständnis und ein Motiv. Auch der Psychologe bestätigte seine sadomasochistische Neigung. Doch es tauchten Ungereimtheiten auf. In der Untersuchungshaft stellte sich heraus, dass der Mann einen Knochenschaden hatte. Ohne spezielle Medikamente wurden seine Schmerzen so übermächtig, dass er den Gefängnisarzt konsultieren musste. Dieser versicherte uns, dass der Mann keine großen Lasten tragen könne und er wahrscheinlich nicht genug Kraft habe, um die Taten begangen haben zu können. Wir befragten den Verdächtigen erneut und sein Kartenhaus brach zusammen. So gern er die Verbrechen auch vollbracht hätte, er war nicht der Gesuchte, er war nicht in der Lage dazu.
   Die nächste heiße Spur fanden wir in einem Bordell, in dem ein Sadist Stammgast war. Ihre Hingabe an diesen Freier ließen sich die Frauen gut bezahlen. Auch wurde vonseiten der Inhaberin darauf geachtet, dass die Exzesse nicht überhandnahmen. Doch als der Gast wünschte, eine der grausigen Mordszenen mit einer der Frauen gegen Geld nachzuspielen, klingelten bei den Prostituierten alle Alarmglocken. Wir recherchierten seine Adresse, wollten ihn noch am gleichen Abend befragen. Als er erkannte, wer vor seiner Tür stand, machte er sich vor Angst fast in die Hose. Er wirkte verschüchtert, blickte ängstlich zu seiner Frau und brachte kaum ein Wort heraus. Dazu verfing er sich in Widersprüche, sodass wir ihn vorläufig festnahmen. Anderntags befragten wir ihn erneut. Die Widersprüche erklärten sich bald auf ganz einfache Art. Er wollte vor seiner Frau nicht zugeben, dass er regelmäßig ein Bordell beehrte, hangelte sich darum von Lüge zu Lüge. Auch er war nicht der Gesuchte.
   So zogen sich die Ermittlungen zäh von Mord zu Mord weiter. Die Masche, nach der getötet wurde, war immer gleich. Erst schien der Täter, es war wahrscheinlich ein Mann, das Opfer zu umwerben oder seine Freundschaft zu suchen. Die Frauen waren in der Regel um die dreißig Jahre alt, alle waren schlank und die meisten waren brünett. In allen Fällen konnte der Täter ohne Gewalteinwirkung die Wohnungen der Frauen betreten, nirgends hatten wir Spuren eines Einbruchs gefunden. Die Opfer waren nackt, als wir sie fanden. Aber es schien, als ob sie sich freiwillig entkleidet hätten. Die Gewalt, so unser Kenntnisstand, begann erst an dem Punkt, an dem normalerweise erwachsene (...)

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