Angelika Lauriel

Frauenromane

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Schüssel mit Sprung

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Welch eine Hiobsbotschaft: Sanne, glücklich verheiratete Mutter zweier Kinder, muss für drei Wochen die Schwiegereltern aufnehmen, weil deren Haus renoviert wird. Ex-Schuldirektor Matthias plant alles generalstabsmäßig durch und reagiert auf Unvorhergesehenes nervös, während Rosemi ihren Putzfimmel in vollen Zügen auslebt. Beide Eigenschaften liegen der künstlerisch arbeitenden Sanne nicht sehr. Wirklich kritisch wird es, als ihr Mann Axel plötzlich auf Geschäftsreise muss. Wie soll sie bloß zwischen den Hardcore-Alpinisten, ihrer eifersüchtigen Mutter und den meuternden Kindern heil hindurchnavigieren? Das Chaos wächst, weil ihr ein arbeitsreicher Illustrationsauftrag erteilt wird. Unter solchen Umständen kann sie unmöglich auch noch Hausputz machen. Als ein Unfall Sanne zu ein paar Tagen Ruhe im Alpiklinikum zwingt, denkt sie zuerst an einen Segen, wäre da nicht ihre Jugendliebe, die nun auch noch ihre Gefühlswelt auf den Kopf stellt. Ist Kai der edle Ritter, der zu ihrer Rettung aus dem Durcheinander eilt?

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Vita

Angelika Lauriel

Angelika Lauriel, geboren im Saarland, studierte Übersetzen/Dolmetschen Englisch und Französisch. Während des Studiums und danach lebte sie zeitweise in Frankreich, England und Italien. Mit dem Schreiben begann sie, als ihre drei Söhne aus den Windeln herausgewachsen waren. Seit sie mit dem Schreibvirus infiziert ist, kann sie nicht mehr davon lassen. Seit 2010 wird Angelika Lauriel veröffentlicht. Ihre Bibliographie umfasst mittlerweile sieben Titel: „Schüssel mit Sprung“, Mom-Lit bei bookshouse 2014 „Genießen in Saar-Lor-Lux. 66 Lieblingsplätze und 11 Genusstipps“, Reiselesebuch bei Gmeiner 2014. „Der Tod steht mir nicht“, Chicklitkrimi bei Gmeiner 2014. „Bei Tränen Mord“, Chicklitkrimi bei Gmeiner 2012. „Frostgras“, All-Age bei Schwarzkopf & Schwarzkopf 2013. „Double crime/Doppeltes Verbrechen“, deutsch-französischer Kinderkrimi bei Langenscheidt 2011. „Le secret du bunker/Das Geheimnis des Bunkers“, deutsch-französischer Kinderkrimi bei Langenscheidt  2010 und 2013 Angelika Lauriel über sich selbst: „Ich schreibe, seit ich einen Stift halten kann.“ Das wäre schamlos gelogen. Ich habe immer vom Schreiben geträumt, aber lange nicht damit angefangen. Wieso eigentlich? Erst, als es in meinem Leben hoch herging, ließen sich die Szenen aus meinem Kopf nicht mehr vertreiben, ich setzte mich hin - völlig ohne Plan - und schrieb sie endlich auf. Schnell hintereinander entstanden so zwei Fantasy-Romane für Jugendliche. Sie schlafen auf meiner Festplatte einen Dornröschenschlaf. Danach kam Struktur in mein Schreiben (durch viel Arbeit, ja), trotzdem verlor und verliert es nie seine Faszination und seine Magie für mich. Wenn der Schreibflow mich erfasst, dann kann und will ich nicht mehr aufhören. So wurde aus dem Schreiben ein Lebenselixier. Ich schreibe, also bin ich.

Leseprobe

1
Die Wanderschuhe


   »Mama?« Linas Zeigefinger malt sachte eine Linie von meiner Augenbraue bis zum Mundwinkel.
   »Hm?« Verschlafen öffne ich ein Auge und sehe das Gesicht meiner sechsjährigen Tochter in Übergröße vor mir auf dem Kopfkissen. Ich lächle und ziehe sie an mich. Sie fühlt sich warm und weich an und duftet so gut.
   »Wer ist eigentlich älter, du oder die Oma?« Lina nimmt den Finger aus meinem Gesicht, schiebt ihren Arm um meinen Hals und kuschelt sich noch enger an mich.
   Bis eben habe ich ihre Liebkosungen genossen, aber jetzt sickert ihre Frage in mein Hirn und löst Abwehrreaktionen aus. Unsanft schiebe ich sie zur Seite und springe aus dem Bett.
   »Mama? Was ist denn? Ich will doch noch kuscheln!«
   »Geh zur Oma kuscheln!« Ich gebe zu, mich durchzuckt der Gedanke, dass es vielleicht unfair ist, eine Sechsjährige die Probleme ausbaden zu lassen, die man selbst mit dem Älterwerden hat. Aber irgendwo gibt es eine Grenze, oder?
   Lina tapst hinter mir her zum Badezimmer. Ich schließe die Tür von innen ab. Ob ich älter bin oder die Oma. Ich schnalze empört mit der Zunge.
   Von unten höre ich Axel rufen. »Na, wo sind denn meine Mäuse?«
   »Hier«, singt Lina und hüpft die Treppe hinunter.
   »Nicht da«, grummle ich und beuge mich vor zum Spiegel. Das verschlafene Gesicht darin zieht prüfend die Brauen hoch und zeigt mir allzu deutlich, was ich überhaupt nicht sehen will: wie straff oder weniger straff sich meine reife Haut ab vierzig über die Wangenknochen spannt. Gar nicht mal übel heute. Da kann das Gesicht im Spiegel auch wieder lächeln. Ich erschrecke: Tausend Fältchen lassen die Haut um die Augen herum in Splitter zerspringen. Erkenne ich darin meine Mutter wieder?
   »Das sind Lachfältchen«, tröste ich mich. »Axel hat dich deswegen geheiratet.« Hat er tatsächlich. »Warum wolltest du mich eigentlich?«, fragte ich ihn vor dreizehn Jahren nach dem Standesamt.
   »Weil mich dein Lächeln umgehauen hat«, antwortete er.
   Ich erledige schnell meine Morgentoilette und gehe hinunter in die Küche. Axel und unser Großer, Keanu, beenden gerade ihr Frühstück. Sie müssen früher los als Lina und ich. Im Gehen küsst Axel mich. »Du weißt ja, ich bin erst in drei Tagen wieder zurück.«
   Mist. Das habe ich vergessen. Er fährt auf Geschäftsreise. Drei Tage ohne Mann, ohne Papa. Das bedeutet, morgens schon um sechs aufstehen statt um halb sieben. Das heißt aber auch, freie Wahl des abendlichen Fernsehprogramms. Ich umarme meinen Mann. »Gute Reise und viel Erfolg.«
   Während Lina ihr Müsli in sich hineinschaufelt, werfe ich einen Blick auf den Wandkalender. Heute um halb sieben Elternabend im Gymnasium, morgen Nachmittag Schultütenbasteln im Kindergarten. Da haben wir den Salat. Zwei Termine, für die ich meine Mutter brauche. Heute Abend zum Babysitten und morgen, um Keanu zum Handballtraining zu bringen. Bei dem Mistwetter will ich ihn nicht mit dem Rad fahren lassen. Tja, und heute muss ich unbedingt noch den letzten drei Illustrationen für das Kinderbuch vom Schweinchen mit den grünen Streifen den Feinschliff geben. Also wird Mama Lina vom Kindergarten abholen, damit ich den Vormittag zum Arbeiten habe. Wenigstens das ist schon geregelt.
   »Lina, ich rufe noch schnell Oma Hilde an.«
   »Ich will auch mit ihr reden.«
   Ich stehe schon am Telefon und höre das Freizeichen. Mit schlechtem Gewissen schiele ich auf meine Armbanduhr. Halb acht. Hoffentlich hole ich sie nicht aus dem Bett. Jetzt noch aufzulegen, wäre ja Quatsch. Es hat schon zwei Mal geläutet. Erst nach dem sechsten Klingeln hebt sie ab.
   »Schellenberg?« Wie immer legt sie einen Schlenker in den Namen und geht am Ende mit der Stimme hoch. Nur meine Mutter kann so viel in ihren Namen stopfen: Einen wunderschönen guten Tag. Ich weiß zwar nicht, wer mich gerade stört, aber ich hoffe, Sie haben einen guten Grund dafür. Also, worum geht es denn?
   »Guten Morgen, Mama, hier ist Sanne.« Ich zucke schon zusammen, bevor sie antwortet.
   »Dein Name ist Susanne. Das predige ich dir seit vierzig (...)

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