Kristina Herzog

Krimis & Thriller

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Führers Vermächtnis

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Der junge Jurist Hendrik Römer hat sich auf den Job bei der Umweltschutzorganisation gefreut, doch er zweifelt immer stärker an den guten Absichten. Schützt die „Offensive Natur“ gar nicht bedrohte Fledermäuse, sondern dient sie zur Tarnung zwielichtiger Tätigkeiten? Je tiefer er gräbt, desto sicherer ist er. Die alte, längst aufgelöst geglaubte Naziorganisation ODESSA steht kurz vor der Vollendung ihres großen Ziels: der Errichtung des Vierten Reiches mitten im modernen Deutschland. Plötzlich verschwindet Hendriks Freundin Liliane spurlos und die Ereignisse überschlagen sich. Er findet sich in einem Albtraum aus Spionage, Bedrohung und Mord wieder und die Zeit spielt gegen ihn.

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Vita

Kristina Herzog

Pünktlich zum Sommeranfang 1972 wurde Kristina Herzog in Berlin geboren. Nach dem Abitur und einem freiwilligen Sozialen Jahr im Krankenhaus ließ sie ihrer Neugier freien Lauf: Sie studierte Geschichte, Biologie, Jura und Mediation in Berlin und Heidelberg. Sie schreibt Krimis und Kindergeschichten und hat diverse Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Ihre Kurzgeschichte „Weit draußen“ wurde für den NordMordAward 2011 des Deich-Verlages nominiert, „Schlaf Lubo“ für den Kurzgeschichtenpreis des Candela-Verlages. Ihr Krimi „Abschiedskonzert“ um das Ermittlerduo Rosenberg und Neubauer erschien 2015. Mit ihrer Familie lebt sie im grünen Norden Berlins und ist Mitglied bei den „Mörderischen Schwestern“ und im Syndikat. Foto: (c) Robert Recker

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Leseprobe

1. Kapitel

Hendrik hasste diese betroffenheitstriefenden Vorführungen menschlichen Leidens. Ein Leiden, das ein Mensch, der den Krieg aus Nachrichten und Geschichtsbüchern kannte, nicht vollständig erfassen konnte. Er fühlte sich durch die unwirklichen Bilder und Berichte berührt. Trotzdem hatte er ein schlechtes Gewissen, weil er nicht wusste, ob das in Anbetracht der Qualen, die diese Menschen erdulden mussten, wirklich ausreichte.
   Er blinzelte, sodass das Foto fast vor seinen Augen verschwamm. In dem grellen Licht lagen Hunderte von Leichen auf einem riesigen Haufen. Verrenkte Glieder, offene Münder, gequälte Gesichter. Mehrere SS-Männer standen mit triumphierenden Gesichtern daneben. Einer hatte den Fuß auf den Kopf einer nackten Frau gestellt und reckte die Hand zum Hitlergruß. Die SSler wirkten zufrieden – wie nach einer gelungenen Jagd. Auf Hendriks Armen breitete sich Gänsehaut aus.
   Er hasste diese beklemmenden Bilder, und doch konnte er nicht aufhören, solche Ausstellungen zu besuchen. Es war, als würde er dadurch für etwas büßen, das passiert war, als er noch nicht gelebt hatte. Andere hatten das Glück, sich darauf berufen zu können. Er würde immer die Last des Wissens mit sich herumtragen. Das Wissen um die Gräueltaten, die von seiner Familie begangen wurden. Ach, was hieß Familie? Einer hatte sie begangen, einer allein, aber dafür umso radikaler, fanatischer und furchterregender. Hendrik fand sein Foto regelmäßig bei solchen Ausstellungen. Er wollte ihn finden. Immer wieder. Ein Panoptikum des Schreckens und der Aufarbeitung.
   Die Schauräume von Täter und ihre Opfer waren ruhig. Eine anstrengende Stille. Nur ab und an ein Absatzklappern oder ein Sohlenquietschen. Man verständigte sich mit Blicken. Vielsagend zumeist. Nach dreißig, vierzig Bildern drückte Liliane ihm mit der Handfläche auf die Schulter, während ihre dunklen Augen ihn eindringlich fixierten.
   »Da«, flüsterte sie tonlos und deutete mit dem Kopf auf das Bild eines Mannes: gut aussehend, arisch, zufrieden mit sich und der Welt. Da war er – selbstbewusst und grausam: Karl Linkersdorf, SS-Obersturmbannführer und verantwortlich für die Umsiedlung der Ostgebietsbevölkerung. Einer, der in der Welt der Nazis mehr als ein Zuhause gefunden hatte.
   Hendrik atmete schwer. Er hatte ihn entdeckt.
   Wieder einmal.
   Einerseits jubilierte er innerlich, andererseits spürte er den wohlbekannten Ekel, der ihn schon lange begleitete. Obwohl er diesen Mann nie kennengelernt hatte, war dessen Einfluss auf sein Leben immens.
   Hendrik starrte ihm auf dem kleinen schwarz-weißen Bild in die Augen, ohne zu blinzeln. Er griff nach Lilianes Hand und drückte sie. Ein paar Locken fielen ihm in die Stirn. Achtlos strich er sie zur Seite, während er die Lippen zusammenpresste.
   Er hatte ihn gefunden. Schon wieder!
   Liliane streichelte ihm sanft über die Wange und schmiegte sich an ihn. Ein paar Sekunden standen sie so, dann drehte sich Hendrik abrupt um. »Genug«, knurrte er.
   Als er den Ausgang erreichte, hatte ihn Liliane fast eingeholt. »Hendrik! Warte doch mal, bitte. Hey!« Ihre Stimme durchschnitt die Stille.
   »Ich muss hier raus!«
   »Hendrik, das ist unser letzter gemeinsamer Abend. Verdammt! Du wolltest unbedingt hierher, nicht ich! Ich wusste schon, warum!«
   Sie hatte recht. »Ich habe gedacht, ich kriege es inzwischen besser hin. Tut mir leid.« Er machte einen Schritt auf sie zu und nahm sie in den Arm.
   Die Leute im Raum starrten sie an. Mit so einem Schauspiel hatten sie sicher nicht gerechnet, als sie ihre Eintrittskarten gekauft hatten.
   »Wollen wir noch essen gehen?«, raunte er ihr ins Ohr und drückte sie an sich. Er spürte ihr Nicken an seiner Brust. »Komm«, sagte er und zog sie aus der Tür.
   Warme Luft schlug ihnen entgegen. Die Dämmerung hüllte die Bäume in raschelnde Schatten. Sie liefen Hand in Hand die menschenleere Straße hinunter in Richtung U-Bahnhof Kochstraße.
   »Wann musst du morgen los?«, brach Liliane als Erste das Schweigen.
   »So um sieben. Dann habe ich noch ein bisschen (...)

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