Dora Joers

Krimis & Thriller

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Friedhof der Raben

Sybille begrüßt ihren neuen Wohnsitz auf dem Land als Abwechslung in ihrem Leben, doch das ändert sich mit dem Erwerb einer schwarzen Katze grundlegend. Beeinflusst durch die abergläubischen Warnungen einer Freundin und deren Bestätigung durch die ansässigen Landleute, sieht Sybille zwischen der Katze und den unheimlichen Begebenheiten auf ihrem Landsitz einen Zusammenhang. Als ihre Ehe genauso wie die prickelnde Affäre zu Marc, dem attraktiven Landarzt, zerbricht, wendet sich Sybille enttäuscht von den Menschen ihrer geliebten Katze Mrs. Ohara zu. Eine verhängnisvolle Entscheidung.

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Vita

Dora Joers' große Leidenschaft ist das Lesen und Schreiben. Bereits als Kind war kein Buch vor ihr sicher. Heute bevorzugt sie historische Romane, Krimis, schwarzen Humor, Mysterie und Liebesgeschichten mit einer gehörigen Portion Erotik. In ihren Geschichten und Romanen spiegelt sich all das wider. Seit vielen Jahren lebt sie mit ihrem Mann 70 km entfernt von Berlin auf einem Bauernhof.

Leseprobe

Carsten hatte sie nur dieses eine Mal angefasst, als er feststellte, dass sie genau in seine Hand passte. Er hob sie an seine Wange. »Ja, du bist aber eine Schöne«, raunte er ihr zu, doch sie fuhr ihre kleinen Krallen aus, riss ihm die Lippe auf und war unter das Sofa gesprungen.
   »Mistvieh«, hatte mein Mann geknurrt und sich ein Taschentuch an die blutende Wunde gedrückt.
   Vom ersten Tag an bestimmte die kleine Schwarze mit den unergründlichen gelben Augen, wen sie leiden konnte und wen nicht. Viele waren es nicht. Zu den Wenigen gehörte ich. Mich brauchte sie zum Dosen und Türen öffnen und zum Schmusen natürlich. Dann schnurrte sie behaglich, tätschelte zärtlich mit ihren Pfoten in meinem Gesicht herum, knabberte hingebungsvoll an meinen Fingern und schloss entrückt die schönen Augen. Für diese Minuten liebte ich sie.
   Zu unserem Haushalt gehörten außerdem Max, unser Labrador-Mischling, einige Hühner, ein bunter Hahn sowie eine neun Monate alte grau getigerte Mieze.
   Als meine Freundin Jessica bei ihrem ersten und gleichzeitig letzten Besuch auf dem Lande skeptisch die Augenbrauen hochgezogen hatte und orakelte: »Schwarze Katzen sind Unglücksboten, die sind vom Teufel«, lachte ich sie regelrecht aus und tippte mir mit dem Zeigefinger an den Kopf. »Jessi, das ist doch Humbug. Was redest du da? Unsere Schwarze hat, außer meinen Mann gründlich zu verärgern, niemandem etwas getan. Das kannst du nicht wirklich glauben, oder?«
   Jessica musterte mich stumm von oben bis unten, bevor sie beleidigt herauspresste, dass ich noch an sie denken werde, weil alles im Leben seine Bestimmung habe. Ich hatte keine Ahnung, warum sie das so nachdrücklich betonte. Sie wusste ganz genau, dass ich nichts auf abergläubische Unkereien gab und derartige Voraussagen üblicherweise mit einer Handbewegung vom Tisch fegte.
   An jenem Tag war das anders. Irgendwie konnte ich eine merkwürdige Ahnung nicht abschütteln. Kopfschüttelnd schob ich es auf meinen labilen Zustand und auf die Umgebung, mit der ich mich nicht anfreunden konnte.
   Nur allzu willig war ich Carstens großem Traum, dem quirligen, stressigen Leben unserer Großstadt zu entfliehen, gefolgt. Obwohl, oder vielleicht gerade deshalb, weil mich zum damaligen Zeitpunkt andere Dinge beschäftigten. Nach meinem fünfzigsten Geburtstag, den ich mit Erschrecken und Ungläubigkeit zur Kenntnis genommen hatte, fragte ich mich jeden Tag unzufriedener, was mir mein Leben noch bieten könnte, abgesehen von dem, was ich bereits getan hatte und was man von mir erwartete. Es blieb nicht viel dabei übrig.
   Meinen Aufgaben als Mutter für unsere beiden inzwischen erwachsenen Kinder war ich mit Hingabe gefolgt, hatte Kindererziehung, Haushalt und eine eintönige Bürotätigkeit bravourös unter einen Hut gebracht, war meinem permanent überarbeitetem Ehemann jederzeit eine willige Ehefrau gewesen, stets bemüht, ohne äußere Veränderungen und möglichst unspektakulär älter zu werden. Dass Letzteres gelungen war, bestätigte mir ein Blick in den Spiegel. Gut, das war subjektiv. Ansonsten fand ich nichts, außer brütender Langeweile, die unseren abgegriffenen, gewohnten Ehealltag erfasst hatte.
   Als Carsten mit der Idee des Bauernhofes gekommen war, weitab von der Hektik der Großstadt eine Werkstatt für Landmaschinen eröffnen zu wollen, erschien mir das wie der willkommene Umbruch, der Rettungsanker für mein trübselig gewordenes Leben.
   Das Haus entpuppte sich als wundervoll restaurierter Altbau aus den dreißiger Jahren, gepaart mit dem unvergleichlichen Charme eines wohnlichen Landhauses. Abseits der Gemeinde, frei stehend, einsam – und unmittelbar neben einem verwaisten Friedhof mit uralten Birken und Eichen gelegen. Nur das Gezwitscher der Vögel, ab und an ein verlorenes Hundegekläff und das beständige Rauschen unseres viertausend Quadratmeter großen Waldes, unterbrachen die ungewohnte Stille.
   Carsten nannte es himmlische Ruhe. Seine harmlos gemeinte Bemerkung verursachte bei mir ein ungewohntes Frösteln. Es klang so endgültig, erst recht, wenn ich den Blick über den Gartenzaun hinweg über die verwitterten Grabsteine gleiten ließ.
   Er indes beachtete mich überhaupt nicht, sondern spazierte selbstvergessen durch die renovierten Räume. »Genau das, was ich (...)

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