Thomas Christen

Frauenromane

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Das Schweigen der Rohrsänger

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Ihr Vater starb unter mysteriösen Umständen. Ihre Mutter und sie werden bedroht und eingeschüchtert. Tod und Terror sind allgegenwärtig. Im Sommer 2014 fliehen sie von Herat nach Europa. Ihre Odyssee dauert fast ein Jahr. Nasreen, das Mädchen, das ich an einem Dezembertag 1996, knapp ein Vierteljahr nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan zur Welt kommen lasse, ihre Mutter und die Familien gibt es nicht. Die folgende Geschichte hat so nicht stattgefunden. Und dennoch ist sie nicht frei erfunden ... Sie steht stellvertretend für alle jene Erfahrungen und Erlebnisse, von denen mir afghanische Männer und Frauen in ausführlicher und bemerkenswert offener Weise berichtet haben. Mein Anliegen war es, der Sprachlosigkeit, die sich unweigerlich einstellt, wenn man mit solchen Berichten konfrontiert wird, etwas entgegenzusetzen. Ohne reißerischen Voyeurismus, ohne geräuschvolle Betroffenheit und ohne plakatives Pathos. Diese Geschichte ist ein Bild, zu dem andere die Farben beigetragen haben. Ich habe lediglich den Pinsel geführt. Thomas Christen

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Vita

Thomas Christen

Thomas Christen lebt in Düsseldorf und studierte Politikwissenschaften, Germanistik und Soziologie an der Universität Trier sowie später Agrarwissenschaften an der Universität Bonn. Nach zwanzig Jahren Tätigkeit in einer Heidelberger Klassikproduktion gründete er im Jahr 2000 das audio-visuelle Konzeptlabel tomtone music. Er schrieb über zwanzig Jahre lang Texte für Künstler wie Udo Jürgens, Milva, Veronika Fischer oder das Bremer Ensemble Mellow Melange und verfasste zwei Drehbücher für Music-Features im Auftrag des ZDF. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Im Jahr 2012 wurde sein Debütroman „Der Abend vor der Nacht“ im secession Verlag Zürich/Berlin veröffentlicht. Des Weiteren sind von ihm die beiden Lyrikbände „Ferngespräche“ (2007) und „Windweit der Mensch“ (2010) sowie die Romane „Winterfieber - oder die Überreizung einer Seele“ (2013), „Die Privilegierten“ (E-Book, 2013) und der Erzählband „Im Schatten der Hundstage“ (2014) erschienen. 2015 veröffentlichte der Hamburger Acabus Verlag den Generationenroman „Die Abendgesellschaft der Quartiersleute“. Des Weiteren erschienen die nicht über den regulären Buchhandel zu beziehenden Werke „Jenseits der Pforten“, ein Roman, der vor dem Hintergrund der sogenannten Mellifont-Verschwörung im Irland der Jahre 1227 und 1228 spielt sowie die Novelle „Die verstörenden Auslassungen eines erhabenen Fremden“. Thomas Christen ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS/in ver.di-nrw).

Weitere Bücher aus diesem Genre

Leseprobe

Der Vogel
Wakhan-Korridor, Afghanistan
1906

Der Himmel über ihr war so blau wie die Blütenmuster auf ihrem roten Kleid. So blau wie das Kleid ihrer Schwester. Wenn man nicht auf den Saum und die vom Staub ausgeblichenen Enden der Ärmel achtete. Und manchmal war der Himmel ganz anders blau. Wenn der Tag wolkenlos gewesen war und sich der Abend auf das Tal legte, konnte er angeblich die Farbe des Chaqmaqtin annehmen, jenes Sees im Osten, von dem ihnen ihr Onkel manchmal erzählte. Und bald würde der Winter kommen, und mit ihm die ersten Tage, an denen sich der Himmel in die Farbe der Berge zu hüllen begann, wenn das Blau nur noch zu erahnen war, zu einem düsteren, grauen Blau wurde und die Wolkenstreifen aussahen wie die zerzausten Kopfhaare der Yaks. Aber am besten gefiel er ihr in den Nächten, dann, wenn diese so waren wie die gestrige und in denen sie das, was sie dort oben sah, mit keinem Wort beschreiben konnte. Wenn das dunkelste Blau über den Bergkämmen zu Violett geworden war, sich hoch oben in Schwarz verwandelte und der Himmel übersät war mit Sternen, als hätte man mit einem Reisig Milch in ihn hineingespritzt. Unzählige winzige Punkte, wie Nadelstiche in einem schwarzen Tuch, hinter dem es ein unsagbar helles Licht geben musste. Abertausende von weit entfernten Schneeflocken, die dort oben in der eisigen Nacht für ein paar Stunden festgefroren waren.
   Elaha schloss für einen Moment die Augen und konzentrierte sich auf die Wärme des Felsblocks, auf dem sie saß. Gestern Nacht hatte sie schlecht geschlafen. Dreimal war sie aufgewacht und hatte sich ihre verfrorenen Hände am heruntergebrannten Feuer gewärmt. Zum Schluss hatte sie sich ihre Decke umgelegt und war vor die Tür gegangen, um hinaufzuschauen. Die Spitze des Roshanak hatte nur einem schwarzen Schemen geähnelt und das einzige, kaum hörbare Geräusch, war das ferne Gurgeln des Wakhan gewesen.
   Sie öffnete die Augen und blinzelte in die Sonne. Behutsam wischte sie sich eine Schweißperle von der Stirn und schob die Haarsträhne zurück unter das Kopftuch. Der blassgrüne Streifen aus Schilf und Seggen unterhalb ihrer Füße zog sich in einem schmalen Band bis hinunter an den Fluss und verlor sich im endlosen Geröll und den Felsbrocken des weiten Tales. Dort, wo die Hänge auf der gegenüberliegenden Seite wieder anstiegen, lagen ihre Sommerhütten. Sie beschattete die Augen und schaute hinüber. Ein schmaler Streifen, und die Häuser wie winzige Striche in den Farben der Landschaft. Oberhalb der beiden Getreidefelder standen die einzigen vier Bäume weit und breit, und dahinter erstreckte sich das endlose Band der das Tal umschließenden Berge und die unerreichbaren weißen Felsspitzen des Roshanak, des Tirich-Mir, des Noshak und aller anderen Riesen, die seit Anbeginn aller Zeiten wie stumme Wächter aus Stein diesen Ort zu bewachen schienen.
   Sie lächelte, als sie das leise Zwitschern hörte, beugte sich vorsichtig vor und suchte mit den Augen das vor ihr liegende Schilf ab.
   Da bist du ja wieder, mein kleiner grüner Freund, dachte sie und versuchte, den Ursprungsort des zirpenden Gesangs zu finden.
   Kiet, kiet, kiet. Karre, karre. Kiet, kiet, kiet. Er saß nur wenige Meter entfernt hinter einem Schilfbüschel auf dem feuchten Boden und regte sich nicht, das Gefieder im gleichen schmutzig grünen Farbton wie das ihn umgebende Gras.
   Bitte sing weiter, flüsterte sie in Gedanken und traute sich kaum, sich zu bewegen. Als einen Atemzug später ein weiteres Kiet, Kiet, Kiet erklang, als hätte der Vogel ihre Bitte erhört, machte ihr Herz einen Sprung vor Freude.
   Wenn ich dich doch nur verstehen könnte, mein Kleiner.
   In den frühen Morgenstunden, wenn der erste Schein der aufgehenden Sonne hinter den Bergen zu erkennen war, regte sich nichts an diesem Ort. Mensch und Tier befreiten sich nur ganz langsam aus den Klauen einer fast immer bitterkalten Nacht. Aber jetzt, in der Hitze der Mittagssonne, war die Welt längst erwacht.
   Kiet, kiet. Karre, karre, karre. Sein Kopf zuckte einmal kurz nach oben, aber sofort verharrte er wieder regungslos und wie geschnitzt an seinem Platz.
   Würdest du mir erzählen, wie es jenseits der Berge aussieht?
   Elaha hob vorsichtig den Kopf und schaute nachdenklich in die (...)

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