Thomas Christen

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Die Privilegierten

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Der Bauunternehmer Karl Renz ist ein Egomane, ein wohlhabender, selbstsüchtiger Patriarch, der in seinem Leben nichts anderes gesucht hat als den eigenen Vorteil. Und den seiner Familie – soweit sich das eine mit dem anderen vereinbaren ließ … Als sich die Wege seiner Tochter mit denen Viktor Runges kreuzen, einem liebenswert naiven Mitdreißiger und Gelegenheitsarbeitenden, der sein Leben mit einer Handvoll außergewöhnlicher Freunde zu meistern versucht, geschieht dies in einer Katastrophe, in deren Folge Karl Renz unweigerlich von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Am Ende bleibt ihm nicht einmal mehr die Zeit zu erkennen, dass das Leben kein Spielball persönlicher und egoistischer Willkür ist, sondern seine eigenen Regeln schreibt. Und niemals vergisst.

  • Thomas
    Christen
    erscheint im: August 2019
  • Thomas Christen
    Die Privilegierten
  • Die Privilegierten
    Thomas Christen

Vita

Thomas Christen

Thomas Christen lebt in Düsseldorf und studierte Politikwissenschaften, Germanistik und Soziologie an der Universität Trier sowie später Agrarwissenschaften an der Universität Bonn. Nach zwanzig Jahren Tätigkeit in einer Heidelberger Klassikproduktion gründete er im Jahr 2000 das audio-visuelle Konzeptlabel tomtone music. Er schrieb über zwanzig Jahre lang Texte für Künstler wie Udo Jürgens, Milva, Veronika Fischer oder das Bremer Ensemble Mellow Melange und verfasste zwei Drehbücher für Music-Features im Auftrag des ZDF. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Im Jahr 2012 wurde sein Debütroman „Der Abend vor der Nacht“ im secession Verlag Zürich/Berlin veröffentlicht. Des Weiteren sind von ihm die beiden Lyrikbände „Ferngespräche“ (2007) und „Windweit der Mensch“ (2010) sowie der Roman „Winterfieber - oder die Überreizung einer Seele“ (2013) und der Erzählband „Im Schatten der Hundstage“ (2014) erschienen. 2015 veröffentlichte der Hamburger Acabus Verlag den Generationenroman „Die Abendgesellschaft der Quartiersleute“. Des Weiteren erschienen die nicht über den regulären Buchhandel zu beziehenden Werke „Jenseits der Pforten“, ein Roman, der vor dem Hintergrund der sogenannten Mellifont-Verschwörung im Irland der Jahre 1227 und 1228 spielt sowie die Novelle „Die verstörenden Auslassungen eines erhabenen Fremden“. Thomas Christen ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS/in ver.di-nrw).

Leseprobe

Kapitel 1
Februar 2010
Landsbach, Westliche Allee 231, 3. Stock

Er hatte ihr die Tür gewiesen, sie verscheucht, vertrieben, sie hinausgeworfen. Er hatte sie auf die Straße gesetzt, aus seinem Leben entfernt, zum Teufel gejagt. Er hatte sie aus seinem Denken herausgeschnitten. Wortlos. Ohne Wunden. Beinahe erschreckend emotionslos. Ohne Schmerz. Ohne klebrigen Schweiß auf den Handflächen, ohne Sand auf der Stimme und ohne Rückstände in seiner Seele. Ohne eine Spur von Reue oder zweifelndem Bedauern. Ohne sich zu fragen, ob die Straße oder der Teufel jemanden wie sie überhaupt aufnehmen würden. Schweigend, tonlos, endgültig und unmissverständlich. Ohne Fragen, ohne Antworten, ohne Erinnerungen und ohne Pläne. Nur eine Geste seiner Hand und der Ausdruck auf seinem Gesicht, die so eindeutig gewesen waren, dass ihn beinahe kaltes Entsetzen vor sich selbst packte, wenn er daran zurückdachte.
   Sie war gegangen, schrittweise davongeeilt. Sie war aufgestanden, um zögernd aus dem Zimmer zu fließen, klanglos zu fliehen. Sie war lautlos verweht. Ohne Fragen. Ohne Echo. In einer unsichtbaren Wolke aus abgrundtiefer Verachtung und fassungslosem Begreifen war sie erstickt. Verschwunden. Ausgezogen. Sprachlos. Sprachlos! Und es war die Erinnerung an diese Sprachlosigkeit, die fast etwas von einem Blutrausch hatte, ihn hier und da durchströmte wie der fiebrige Geist eines von Irrsinn und Siegeswahn erfassten Barbaren, der, obwohl das Gemetzel längst vorüber ist, noch immer blutüberströmt um sich schlägt und brüllend den Sieg beschwört. Diese Erinnerung war eine Art Droge. Der Abend lag Wochen zurück, aber er konnte nicht anders, als sich dieses Gefühl immer wieder aus dem Fläschchen seiner zurückblickenden Gedanken auf sein Ego zu tropfen, sich daran zu berauschen und sich danach noch Stunden später so hundeelend zu fühlen, dass er sich jedes Mal schwor, das Ganze in Zukunft zu unterlassen. Er war verrückt!
   Sie war sprachlos gewesen. Sie.
   Sie war schweigend, ohne ein Wort aus dem Zimmer gegangen. Sie.
   Er hatte sie nur stumm angesehen und auf die Tür gezeigt. Eine Geste. Ein Fingerzeig. Und als die Tür mit einem leisen Klacken ins Schloss fiel, war das Fallbeil ihrer egomanischen und selbstgefälligen Geschwätzigkeit lautlos gefallen. Es war vorbei gewesen.

*

Das Einzige, was er im Augenblick wahrnahm, war das leise und einschläfernde Rauschen des Computerlüfters unter dem Tisch. Seine Zigarette lag auf dem Aschenbecherrand, und die Asche hatte inzwischen den Filter erreicht. Als er die Maus über das Pad wischte, um etwas Erkennbares auf den Bildschirm zu zwingen, fielen die grauen Krümel in den Aschenbecher, und der Filter kippte lautlos auf die Tischplatte, wo er, einen kaum wahrnehmbaren Rauchfaden hinter sich her ziehend, langsam Richtung Tischkante rollte. Der Bildschirm blieb schwarz.
   Ich kann mir keinen neuen PC leisten, sagte er sich und ließ seinen Blick durch den Teil des Zimmers wandern, den er überblicken konnte, ohne groß den Kopf zu bewegen. Er streifte die mit Magneten und Merkzetteln beklebte Kühlschranktür und machte sich klar, dass ein neuer PC nicht das Einzige war, was er sich momentan nicht leisten konnte. Ich werde noch einmal Müller fragen müssen, dachte er und ließ seine Handflächen auf den Tisch fallen. Auf dem Bildschirm erschien das vertraute bunte Aquarium, und Elwood und Jake sowie die Klitschkos zogen unverändert und behäbig ihre Bahnen. Nach links und kehrtmachen, träge den Winkel ändern, wieder nach rechts und zurück. Die vier Originale waren deutlich schneller und dynamischer unterwegs. Er überlegte einen Augenblick lang, ob er sich nicht doch andere Namen für diese Fische ausdenken sollte.
   Er stand von seinem Stuhl auf, rieb sich sein eingeschlafenes linkes Bein und humpelte zum Fenster, wo sein Camcorder auf einem Stativ thronte und den mausgrauen Winterhimmel jenseits der Scheibe beobachtete. Der Februar hatte sämtliche Farben aus den Häuserfassaden gesogen und die Westliche Allee als einen in beide Richtungen im Nebel verschwindenden schmutzig grauen Graben hinterlassen. Nicht einmal die Reklameschilder und Geschäftsauslagen schienen noch ausreichend Buntes zu enthalten, um ihm den Eindruck zu vermitteln, da unten gäbe es mehr als schwarz-weißen Schneematsch und braun schmelzende Eisbrühe. Er legte ein (...)

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