Susanne Preusker

Krimis & Thriller

Image

EXPLORE bookshouse

HOMEPAGE
Offizielle Homepage des Verlags.

E-BOOK-DEALS
E-Book-Schnäppchen ab 99 Cent.

DER ERSTE SATZ
Votings für den ersten Satz im Roman.

WAS LESE ICH GLEICH?
(Liebes-)Romanauswahl einmal anders!

bookshouse BLOGGING
Unsere Bloggerseite.

Weitere bookshouse Autor(inn)en

Goor

Image

Die oberflächliche Idylle einer gut situierten Familie, die auf der Insel Rügen eine kleine, aber exklusive Ferienanlage betreibt, gerät ins Wanken, als sich eines der Zwillingsmädchen in einen Flüchtlingsjungen aus Kabul verliebt. Positionen und Meinungen stehen plötzlich zur Debatte, totgeschwiegene Konflikte brechen auf, die innerfamiliären Beziehungen verändern sich dramatisch, eine Katastrophe bahnt sich an. Diese Entwicklung weist Querverbindungen auf zu einer anderen, längst in Vergessenheit geratenen Katastrophe, die sich nach Kriegsende im Jahre 1945 ebenfalls auf Rügen ereignet hat: in einem Flüchtlingslager nahe der Halbinsel Goor.

Shoppen bei: Amazon Thalia Tolino
  • Susanne
    Preusker
    E-Book: 2.99 €
  • Susanne Preusker
    Goor
  • Goor
    Susanne Preusker

Vita

Susanne Preusker

Susanne Preusker, geboren 1959 in Hildesheim, wohnhaft in Magdeburg, studierte Diplom-Psychologin/ Psychotherapeutin, nach langjähriger Tätigkeit im Strafvollzug 2009 dort ausgeschieden (worden), verheiratet, ein erwachsener Sohn, ein unerzogener Hund. Motto: „Ich schreibe Bücher, weil ich nicht tanzen, singen oder malen kann.“ Bisher sechs Veröffentlichungen. Susanne Preusker hat sich am Dienstag, 13. Februar 2018, entschieden, aus dem Leben zu scheiden. 

Weitere Bücher aus diesem Genre

Leseprobe

Komm mit.

Komm.
   Komm mit mir nach Rügen.
   Wir verlassen die Ostseeautobahn Richtung Stralsund, um der gut ausgebauten Bundesstraße durch eine meist flache, unspektakuläre Landschaft zu folgen. Nach sagen wir knapp fünfzehn Minuten wird die Silhouette von Stralsund in der Ferne auftauchen, rechts am Horizont die Umrisse der Volkswerft, die vielleicht auch schon mal bessere Zeiten gesehen hat. Wir bleiben auf der Straße, halten uns vorsichtshalber an die Geschwindigkeitsbegrenzung und sehen die Stralsunder Kirchtürme näher kommen und wachsen. Schließlich fahren wir über die Rügenbrücke, die sich über den Strelasund erstreckt und uns auf die Insel bringt. Du siehst Wasser und Bötchen und die ersten Möwen. Vielleicht ist es nebelig oder bereits dunkel, und du siehst nichts, aber trotzdem wirst du das Meer spüren. Du wirst einfach merken, dass es da ist.
   Komm mit mir nach Rügen.
   Vielleicht möchtest du nun, da wir unser Ziel erreicht haben, die Insel entdecken. Vielleicht möchtest du Binz sehen oder die Seebrücke von Sellin. Oder Kap Arkona. Vielleicht möchtest du an der Schaabe deine Füße in den Sand stecken, vielleicht möchtest du Prora (oder das, was davon übrig ist) entdecken. Vielleicht möchtest du auch nur ein Fischbrötchen essen, ein Bier trinken, den Möwen beim Fliegen und dem Sanddorn beim Wachsen zusehen, dem Sanddorn, der sich im Wind wiegt wie von der Tourismuszentrale befohlen. Oder du hast ein Ticket für die Störtebecker-Festspiele. Vielleicht hast du vieles vor. Vielleicht hast du aber auch Zeit, bist neugierig und kommst einfach weiter mit mir mit.
   Wir machen uns auf den Weg nach Putbus, der weißen Stadt. Die Nebenstrecke, die wir wählen, führt uns durch kleine Ortschaften: Ferienwohnung frei. Ferienwohnung belegt. Je nachdem. Alleen, Wäldchen, Felder, Wiesen. Sie wird dir gefallen, unsere Fahrt. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir Putbus, sehen linker Hand weiße klassizistische, gepflegte Häuschen, mit Rosenstöcken verziert. Wir passieren den Marktplatz und ein kleines Theater, den Schlosspark und die Kirche, wenige Geschäfte, eine Gaststätte. Am Circus folgen wir der Vorfahrtsstraße und biegen gleich darauf rechts ab, Richtung Lauterbach. Wir fahren geradeaus, überqueren Bahngleise, und mit etwas Glück hören oder sehen wir ihn sogar, den Rasenden Roland, auf seinem Weg zwischen Lauterbach Mole und den Seebädern. Wenn wir weiter geradeaus fahren, und genau das werden wir tun, auch wenn uns die Straße eigentlich links nach Vilmnitz leiten möchte, taucht bald am Ende einer Allee das Badehaus Goor auf, Anfang des 19. Jahrhunderts von Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus errichtet, heute ein Hotel.
   Den Wagen stellen wir ab und gehen zu Fuß weiter, zunächst am Wasser entlang. Wir erfreuen uns am Anblick der imposanten Fassade des ehemaligen Badehauses, umrunden das Gebäude und gehen an dessen Seitenflügel vorbei Richtung Goor, Richtung Wald. Dort, wo die ersten, alten Bäume ihre Schatten werfen, genau dort verlassen wir den Weg und gehen geradeaus ins Dunkle. Ich zeige dir eine lange Reihe verwitterter Grabkreuze. 39 Grabkreuze in Reih und Glied. Wie Soldaten. Steinerne Zeugen vergangener Tage, moosbewachsen, vielleicht vergessen, versteckt unter Bäumen und wucherndem Efeu, Besucher nicht gewöhnt. Die Luft riecht feucht und waldig, keinesfalls wie auf einem Friedhof. Friedhöfe riechen anders, lebendiger, und das sollen sie auch. Wir gehen an den Gräbern entlang, langsam, sehr langsam. Du wirst viele Namen lesen, über neunzig, manche mühelos, andere, verwitterte, wirst du nur umständlich entziffern können, wieder andere bloß erahnen. Die Daten: geboren November 1878, gestorben Januar 1946, liest du. Geboren Februar 1928, gestorben Februar 1946, liest du. Geboren Dezember 1945, gestorben Dezember 1945 – auch das liest du. Alle sind zwischen November fünfundvierzig und März sechsundvierzig verstorben. Ausnahmslos alle, die Jungen wie die Alten, Frauen, Männer, Kinder, Säuglinge. Alle. Warum, wirst du mich fragen.
   Antworte ich? Vielleicht.
   Und dann gehen wir weiter. Vielleicht.
   Komm.
   Komm mit mir nach Rügen.
   Komm mit.

Prolog

In Flammen steht der Dachstuhl, in hellen, hohen, fast am Firmament leckenden, (...)

Mehr Leseempfehlungen