Ruben Schwarz

Krimis & Thriller

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Hirngespinste

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Wer hat sich nicht schon über Freunde, Kollegen oder Fremde geärgert, ohne ihnen angemessen die Meinung zu sagen? Manfred Schuster hat zeit seines Lebens auf Harmonie gesetzt und bei Konfrontationen oft um des lieben Friedens willen den Mund gehalten. Das ändert sich, als er durch einen Treppensturz ins Koma fällt und verbittert im Rollstuhl landet. Da er für sich keine Zukunft sieht, flüchtet Schuster in seine Vergangenheit. Als er herausfindet, dass seine traumhaften Ausflüge in sein jüngeres „Ich“ reale Gestalt annehmen, beginnt er mit seinen früheren Widersachern abzurechnen – nicht angreifbar für die Polizei und mit tödlichen Folgen für die Betroffenen. Scheinbar ist der einzige Mensch, der die Chance hat, Schuster und seinen Amoklauf, den er in seinem Kopf steuert, zu stoppen, zugleich die Frau, die ihn liebt. Es beginnt ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit. „Hirngespinste“ spannt den Bogen von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart und bringt einen Hauch von Musik und Lebensgefühl der Vergangenheit zurück.

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Vita

Ruben Schwarz

Ruben Schwarz wurde in den 1950er Jahren im Herzen des Ruhrpotts geboren und ist seiner Heimatstadt Essen sechzig Jahre lang treu geblieben. Der Medienkaufmann kam erst relativ spät zum Schreiben und lebt heute im schönen Bergischen Land. Inspiriert von großen literarischen Vorbildern erzählt er gern Geschichten von normalen Leuten, deren normales Leben von ganz und gar nicht normalen Ereignissen auf den Kopf gestellt wird.

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Leseprobe

1.
August 2016

Um festzustellen, dass es kurz vor 14:00 Uhr war, musste man nicht auf die Uhr sehen. Das helle Klappern auf dem Flur und das geräuschvolle Öffnen und Schließen der benachbarten Zellentüren waren eindeutige Indizien dafür, dass die Essensgeschirre eingesammelt wurden.
   Evelyn faltete langsam und sorgfältig den Brief zusammen, den die Pfarrerin der Jakobus-Gemeinde in Magdeburg-Fermersleben ihr geschickt hatte.
   Wenn es tatsächlich einen lieben Gott gab, so dachte sie, und man ihm keinen Sadismus unterstellen wollte, dann hatte er zumindest eine merkwürdige Art von Humor. Ein anderer Beweggrund fiel Evelyn nicht ein, warum er die Menschen am Anfang des Lebens mit Vitalität und Optimismus ausstattete, ihnen zeigte, wie schön das Leben sein konnte, um sie am Ende mit Demenz, Arthritis, Inkontinenz und anderen Liebhabereien zu demütigen. Ihr Vater Arthur Brandes war immerhin fünfundachtzig Jahre alt geworden, hatte aber die letzten zwei Jahre in seinem Pflegeheim in völliger geistiger Umnachtung zugebracht.
   Man hatte ihr angeboten, an der Beisetzung teilzunehmen, sie hatte aber dankend darauf verzichtet, ihrem Vater an dessen Grab Seite an Seite mit zwei Polizeibeamten die letzte Ehre zu erweisen. Diese Show hatte sie der Verwandtschaft und ihren früheren Nachbarn nicht gegönnt. Außerdem hatte es in den vergangenen Jahren ohnehin keinen Kontakt zwischen Vater und Tochter gegeben.
   Bei Arthur Brandes hatte es sich nicht um einen wirklich lieben Menschen gehandelt. In der Blüte seiner Jahre war er ein Quartalssäufer gewesen. Während seiner Phasen, wie Evelyns Mutter es oft verharmlosend auszudrücken pflegte, hatte er Frau und Kinder verdroschen und war auch nicht davor zurückgeschreckt, mit allen möglichen Gegenständen nach ihnen zu werfen, die er gerade zur Hand hatte. Wundersamerweise war Evelyn im Gegensatz zu ihren beiden Schwestern und der Mutti von diesen Attacken immer verschont geblieben. Nach einem Entzug Mitte der Siebziger, da hatte Evelyn schon nicht mehr zu Hause gewohnt, hatte er nie mehr einen Tropfen angerührt. Trotzdem waren auch danach Jähzorn und permanente Unzufriedenheit mit Allem und Jedem seine herausragendsten Eigenschaften geblieben.
   Es klopfte zweimal kurz an der Tür, bevor aufgeschlossen wurde. Frau Diepholz war eine nette Vollzugsbeamtin. Sie war immer freundlich zu Evelyn und – sie klopfte an. Wie man in den Wald hineinruft …
   »Na, Frau Lengsfeld, wie isset? Geht’s wieder besser?«
   Frau Diepholz war eingetreten und nahm das Tablett mit dem Plastikgeschirr entgegen, dass Evelyn von dem kleinen Schreibtisch genommen hatte und ihr reichte. Flora, die kleine Rothaarige mit den unzähligen Tattoos, wartete draußen auf dem Gang. Sie war wie Evelyn Insassin im Frauentrakt der Justizvollzugsanstalt in Essen-Frintrop und assistierte Frau Diepholz beim Einsammeln des Geschirrs.
   »Ja, geht schon wieder, Frau Diepholz«, antwortete Evelyn und nickte. »Vielen Dank«, fügte sie hinzu, denn Frau Diepholz war wirklich nett.
   »Ach, Sie haben ja wieder nich aufgegessen«, klagte Frau Diepholz, »kein Wunder, dat sie schlappmachen.«
   »Danke, es war echt lecker, aber ich kann bei der Hitze nicht so viel essen«, erklärte Evelyn.
   Es hatte Geflügelgeschnetzeltes mit Reis gegeben, dazu eine Art Brei, der mutmaßlich aus Erbsen und Möhren bestand.
   »Ja, is aber auch echt heiß«, stimmte Frau Diepholz zu, »den ganzen Juni un Juli nur Scheißwetter, un jetzt gleich wieder über dreißig Grad. Dat geht auf ’n Kreislauf.« Sie warf einen Blick auf den halb vollen Teller. »Na ja, morgen gibbtet Currywurst un Pommes. Dat is hier immer ganz lecker.«
   Evelyn hatte heute Morgen vergessen, ihre Blutdrucktabletten einzunehmen, dazu kam die schwüle Hitze. Ihr war schwindlig geworden, und sie hatte sich hinlegen müssen.
   »So sind die Sommer doch hier immer«, sagte Evelyn. Fast hätte sie gesagt: Hier bei euch im Westen. »Entweder nass und kalt oder Schwüle und Gewitter. Aber mir geht’s gut«, fügte sie hinzu, als sie erneut den besorgten Blick der Beamtin bemerkte.
   »Tja, dat is der Klimawandel«, entschied Frau Diepholz, »dat ham die jetzt davon. Demnächst is dat hier wie inne Tropen, (...)

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