C. Hein

Romantik & tiefe Gefühle

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Da.Sein

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Raus aus der Kleinstadt, weg von der griesgrämigen, männerhassenden Mutter, fort von allem, was sie an die verstorbene Freundin Bea erinnert. – Mit Anfang zwanzig wagt Allegra einen Neustart in München, doch schon bald verlangen das Tempo der Großstadt und die Herausforderung des neuen Jobs ihr viel ab. Während sie sich durch den Großstadtdschungel kämpft, begreift sie, wie schwer es ist, sich abzunabeln. Sie sehnt sich nach der Mutter, gleichzeitig will sie sich jedoch von ihr lösen. Sehnsucht, Hoffnung und Trauer treiben Allegra regelmäßig zurück in die Kleinstadt, und immer lauter tönt die Frage in ihrem Kopf, warum sich Bea umgebracht hat.

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Vita

C. Hein

Carolina Hein tobt sich gern kreativ aus - ob als Zeichnerin, als Hobbynäherin oder als Autorin. Ihre Essays und Kurzgeschichten erschienen in Anthologien wie z. B. „Schein-Kriterium“ (Hrsg. A. Hilke), „Drachenstarker Feenzauber“ (Hrsg. P. Hartmann) und im Magazin „TextArt“. Im bookshouse Verlag veröffentlicht sie Romane auch unter dem Pseudonym C. Carelly. Die Autorin lebt und arbeitet in München.

Weitere Bücher aus diesem Genre

Leseprobe

Kapitel 1
Vom Atmen in Glaswatte

Wir laufen und lachen. Lachen und tanzen. An diesem warmen Frühlingstag versprühen wir – Bea, Judith und ich – Lebenslust, Energie und gute Laune. Autofahrer, die an der Ampel warten, lassen die Fenster herunter und beobachten uns. In ihren Blicken liegt Sehnsucht nach Leben, nach Sorglosigkeit, nach uns. Sie beneiden uns um unsere Unbeschwertheit.
   Jeder jenseits der dreißig will unsere Jugend. Da wir immer älter werden, werden sie irgendwann anfangen, sich auf andere zu fokussieren. Aber noch, noch stehen wir im Mittelpunkt.
   Während sie uns nicht aus den Augen lassen, rufen sie stumm: Entführt uns in eure Welt! Rettet uns!
   Die Strahlen drei mächtiger Sonnen wärmen sie, blenden sie, überrollen sie mit ihrer geballten Kraft. Jener Sonnen, die Leben schenken, Leben bewahren, die sich gegenseitig Energie spenden und durch die Dreierkonstellation immer wieder von Neuem geboren werden. In unserer Nähe verglühen die Menschen wie Insekten, die sich in die Hitzequelle stürzen. Ihr Haar, ihre Haut fängt Feuer, und sie verbrennen schreiend.
   Dennoch strömen sie zu uns.
   Tänzelnd dreht sich Bea zu mir und Judith um. »Wir sind auf dem Höhepunkt!«
   Judith grinst. »Aha …«
   »Auf dem Höhepunkt wovon?«, will ich wissen. Von unserer Jugend? Von unserer Schönheit und körperlicher Gesundheit? Bestimmt nicht. Denn wir sind erst um die zwanzig.
   Als ich erneut dieselbe Frage stelle, breitet Bea die Arme aus, als wollte sie alle umarmen. »Wir sind auf dem Höhepunkt!«, schreit sie in die Welt hinaus.
   Ihr Gesichtsausdruck erscheint vor meinem inneren Auge wie ein spontan geschossenes Foto. In ihren aufgerissenen Augen glüht Lebenshunger. Das Lächeln, das ihre weißen Zähne entblößt, ist schöner denn je. So werde ich sie in Erinnerung behalten.

Wenn das eigene Leben erschüttert wird, gerät die Welt nicht aus den Fugen. Die Zeiger der Uhr bleiben nicht stehen, sondern bewegen sich einfach weiter. Unaufhörlich drehen sich die Rädchen im Inneren der Uhr. Verzweifelt sehnst du dich nach einem Zeichen, das beweist, dass die Natur mit dir leidet. Du wünschst dir, dass unerbittlicher Regen die Blätter peitscht und lärmt, als ohrfeigte er jemanden. Du verlangst, dass es blitzt und donnert, als tobte eine höhere Macht, dass Hagelkugeln auf Metall eindreschen und Fensterscheiben einschlagen. Weil dein Inneres nach außen gekehrt ist. Weil sich deine Seele erbricht. Wenigstens könnte die Natur leise weinen in einem starken, aber stillen Regen, wenn es dir dreckig geht. Doch die Natur schert sich nicht um deinen Seelenzustand.
   Draußen scheint die Sonne, als ich nach zwei Stunden sinnlosen Herumirrens nach Hause trotte.
   Lautlos trete ich in die Küche und tauche ein in den grauen Nebel von Zigaretten. Auf dem Fenstersims quillt der Aschenbecher über. Mutter lehnt sich mit dem Rücken gegen den Schrank. Ihr blondes, kinnlanges Haar umrahmt das schmale Gesicht. Unvorteilhaft betont es ihre teigig helle Haut und die violett schimmernden Augenringe.
   Als ich mich an den Tisch setze, stellt sie einen Teller mit kalten Nudeln vor mich hin. Ab und zu öffnen sich ihre Lippen oder legen sich in Falten, wenn sie einen Zug macht und den Rauch ausstößt.
   Nach außen wirke ich gelassen, doch in mir vibriert alles. Ich erhebe mich – nur um wenige Sekunden später wieder Platz zu nehmen. Mir ist, als ob mir jemand die Luft abschnürt. Obwohl sich mein Brustkorb rasch hebt und senkt, glaube ich, an Atemnot zu leiden. Erneut stehe ich auf, reiße das Fenster auf und lasse frische Luft in den Raum strömen.
   Ausdruckslos verfolgt Mutter meine Bewegungen. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit bohrt sie den Rest der Zigarette in den mit Asche bestreuten Friedhofsboden voller weiß-orangefarbener Stummel. Der Nebel dringt in meine Nase und füllt meinen Körper mit wohldosiertem Gift.
   Unruhe treibt mich von einem Schrank zum anderen. Wonach suche ich? Nach etwas, das ich in diesen vier Wänden ohnehin nicht finden werde?
   »Nun iss schon.«
   Gehorsam setze ich mich hin und greife zur Gabel.
   »Helenas Freund Lukas ist fremdgegangen«, teilt sie (...)

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