Ute Haese

Humor & Satire

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Die Soßenhobel-Mafia

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„Staller hier. Guten Morgen, Frau Döllinger. Ich rufe an, weil – ja, ja, immer im Dienst! Frau Döllinger, Sie werden sich bestimmt schon gewundert haben, weshalb Ihr Gatte gestern Abend so lange in der Firma geblieben ist, genauer gesagt, weshalb er die ganze Nacht dort verbracht hat beziehungsweise es Ihnen so scheinen musste, als verbrüge … äh … verbrächte … Pardon? … Äh … ich wollte damit sagen, dass Ihr Mann letzte Nacht nicht nach Haus gekommen ist … Nein … Ja, da bin ich ganz sicher.“ Er lockerte seine Krawatte. „Frau Döllinger, Sie müssen jetzt ganz tapfer sein. Ihr Mann ist entführt worden!“ So kann’s kommen. Denn was tut der brave Bürger, wenn sich seine gesamten Ersparnisse bei einer obskuren Geldanlage in Luft aufgelöst haben? Er sinnt auf Wiedergutmachung. Und verspekuliert sich damit unter Umständen ein weiteres Mal, wenn sich auch die scheinbar todsichere Alternative als Flop erweist.

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  • Ute Haese & Torsten Prawitt
    Die Soßenhobel-Mafia
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    Ute Haese & Torsten Prawitt

Vita

Ute Haese

Ute Haese, geboren 1958, promovierte Politologin und Historikerin, war zunächst als Wissenschaftlerin tätig. Neben Fachveröffentlichungen verfasste sie zahlreiche journalistische Kommentare zu politischen und sozialen Themen sowie – teilweise gemeinsam mit ihrem Ehemann Torsten Prawitt – mehrere Sachbücher. Seit 1998 arbeitet sie hauptberuflich als freie Autorin und widmet sich inzwischen ausschließlich der Belletristik im Krimi- und Satirebereich sowie inzwischen zusätzlich der Fotografie. Wie die Protagonistin ihrer ersten Krimi-Reihe um die Fast-schon-Privatdetektivin Hanna Hemlokk schreibt sie außerdem als „Tränenfee“ unter mehreren Pseudonymen sogenannte abgeschlossene Liebesromane für diverse Frauenzeitschriften. In einer zweiten Krimiserie, die im Herbst 2013 bei bookshouse startete, bekämpfen Kriminaloberkommissarin Victoria Boll und ihr Team im fiktiven Döhlin an der Diller das Verbrechen. Ute Haese ist Mitglied bei den „Mörderischen Schwestern – Vereinigung deutschsprachiger KrimiAutorinnen", und im SYNDIKAT, der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur.

Leseprobe

Hausse

»Scheiße!«
   Als würde er von den Schallwellen des ungehemmten Aufschreis davongetragen, segelte ein
   aufgerissener Briefumschlag unter dem bunten Sonnenschirm hervor, dessen kreisrundes Stoffdach aus der Vogelperspektive jede Sicht auf den Urheber versperrte.
   Milvus vermochte diese erste menschliche Äußerung, die er nach der Rückkehr aus dem südafrikanischen Winterquartier tief unter sich wahrnahm, nicht als Schimpfwort einzuordnen, und so stellte er sich auch nicht die Frage nach dem Anlass. Da er ohnehin nicht zu solchen Überlegungen neigte und optische Reize für ihn an erster Stelle standen, zog er weiter im majestätischen Gleitflug seine Kreise. Sie führten ihn in einem immer größer werdenden Radius über die ausgedehnte Reihenhaussiedlung mit ihren akkurat gemähten Rasenflächen, sorgfältig gepflegten Blumenbeeten, winzigen Gartenteichen, in denen Wasser speiende Nymphen oder sonstige Ab- und Ergüsse ihren pseudoantikisierenden Schauder verbreiteten, und hölzerne Gartenhäuser mit südstaatenartigen Verandavorbauten en miniature. Er segelte über kunstvoll arrangierte Ensembles aus Gartenzwergen, Plastikrehen und großnasigen Keramikmaulwürfen, holzschutzgetränkte Carports für gepflegte Klein- bis Mittelklassewagen, aufgemauerte Gartenkamine in sämtlichen Baumarktdesigns sowie alle nur denkbaren Variationen von Holzkohle-, Gas- und Elektrogrills.
   Während jedoch diese immobile, kleinbürgerliche Idylle ihm hoch oben am Himmel letztlich nicht das Geringste bedeutete, zollte er jeder irgendwie gearteten Bewegung am Boden zunächst höchste Aufmerksamkeit, um sie umgehend unter Nahrungsgesichtspunkten zu bewerten. Als absolut unwichtig, weil zu groß, hatte er innerhalb von Sekunden den Postboten eingeordnet, der jetzt das Ende der Straße erreichte. Anders sah es hingegen mit dem weißen Briefkuvert aus, das sich nach seinem torkelnden Segelflug inzwischen an einem leider nicht UV-beständigen und deshalb traurig verblassten Kunststoffkitz verfangen hatte. Doch nach wenigen Sekunden erkannte Milvus, dass auch dieses Objekt nicht essbar und somit für ihn uninteressant war. Denn naturgemäß sagte ihm weder die farbenprächtige fremdländische Briefmarke etwas noch weckten die ungewöhnliche Anrede Señ. Peter Pipke oder der Absender International Development Trust seine Neugier. So entschloss er sich nach einer letzten prüfenden Rundumschau, dieses überbaute Areal mit seinen handtuchgroßen Grünflächen zu verlassen und in einer Gegend mit angemessenerem Zuschnitt sein Jagdglück zu versuchen.
   Kurz darauf überflog er ein deutlich vielversprechenderes Gebiet: weitläufige, fast parkähnliche Grundstücke, auf denen imposante Villen von Reichtum und geschickten Steuerberatern zeugten. Gehegt und gepflegt von einer Armada dienstbarer Geister, präsentierte sich hier das Schaffen höchstbezahlter Gartenarchitekten in makelloser Perfektion. Um schwimmbadgroße Teichanlagen standen originalgetreue Repliken berühmter Kunstwerke, sauber geharkte, absolut unkrautfreie Wege führten zwischen exakt gestutztem Buschwerk und einzelnen mächtigen Laubbäumen zu meisterhaft verzierten edelhölzernen oder gusseisernen Teehäusern nach asiatischem Vorbild. Doppelgaragen als die kleinste Form zur Beherbergung des privaten Fuhrparks glichen in ihrer Ausgestaltung Wohnhäusern der gehobenen Mittelklasse und wirkten in diesem Umfeld trotzdem noch als zierliche Nebengebäude.
   Aus einem dieser Anwesen vernahm Milvus, während er nach seinen Nagern Ausschau hielt, in unregelmäßigen Abständen ein Geräusch, bei dem es sich diesmal zwar nicht um eine verbale Unmutsäußerung handelte, das üblicherweise jedoch trotzdem taktvoll ignoriert wurde. Er konzentrierte sich ohnehin lieber auf das eventuelle verräterische Piepsen eines unvorsichtigen Kleinsäugers statt auf die freigesetzten Winde eines menschlichen Verdauungstraktes.

1.

»Ach, Liebes, weißt du zufällig, wo die Aufnahme von gestern ist?« Heinz-Harald hatte erfolglos die Videos und DVDs im speziellen
   Medienschrank durchsucht und wandte sich nun Hilfe suchend an Susanne.
   Seine Frau saß noch am Tisch in der sogenannten Essecke des hallengroßen Wohnzimmers und warf ihm einen halb mitleidigen, halb vorwurfsvollen Blick zu. »Willst du nicht doch endlich etwas dagegen tun? Du (...)

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